IQM Initiative Qualitätsmedizin

„Die Patienten haben ein Recht auf klare Aussagen zur Qualität von Krankenhäusern“ Karl Prinz zu Löwenstein,
Vorsitzender der Geschäftsführung der Malteser Deutschland gGmbH

Peer Review

Behandlungsabläufe und Strukturen der Patientenversorgung kontinuierlich verbessern

Wird bei einem Qualitätsindikator ein auffälliges Ergebnis gemessen, erfordert dies weitere Analysen und Maßnahmen. Als erstes muss geprüft werden, ob die Auffälligkeit auf ein echtes Qualitätsproblem zurückzuführen ist. Liegt ein Qualitätsproblem vor, müssen konkrete Verbesserungsvorschläge erarbeitet und entsprechende Maßnahmen aktiv umgesetzt werden.

Ziele und Grundsätze

Das Peer Review Verfahren von IQM ist ein originär ärztliches und freiwilliges Verfahren. Es ist ein unbürokratisches und auf den kollegialen Austausch fokussiertes Instrument der ärztlichen Qualitätssicherung. Die IQM Mitgliedskrankenhäuser verfügen mit dem IQM Peer Review Verfahren über ein effektives Instrument zur Analyse und Verbesserung komplexer medizinischer Behandlungsprozesse. Die IQM Peer Review Verfahren finden - bisher einmalig in Deutschland - interdisziplinär und trägerübergreifend statt. Ziel des IQM Peer Review Verfahrens ist es, einen kontinuierlichen internen Verbesserungsprozess und eine offene Fehler- und Sicherheitskultur in den teilnehmenden Kliniken zu etablieren sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Dazu werden Behandlungsprozesse mit auffälligen Ergebnissen auf mögliche Fehler in den Abläufen, Strukturen und Schnittstellen hin untersucht. Die identifizierten Qualitätsprobleme dienen anschließend als Grundlage für zielgenaue Maßnahmen zur Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität.

Die Peer Review Verfahren bei IQM beruhen daher auf vier wesentlichen Grundsätzen:

  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Betroffene zu Beteiligten machen
  • Kollegiale Unterstützung auf Augenhöhe
  • Voneinander lernen

IQM Peers

Derzeit sind rund 680 leitende Ärzte oder Pflegefachpersonen bei IQM als Peers benannt. Ärztliche IQM Peers sind ausschließlich Chefärzte bzw. leitende Ärzte mit Abteilungs- und Personalverantwortung, die als anerkannte Fachexperten ihres jeweiligen Fachgebietes gleichzeitig auch mit den Abläufen in einer Klinik bestens vertraut sind. Wichtiges Kriterium für die Tätigkeit als Peer ist die Fähigkeit zum kollegialen Dialog mit dem Chefarzt und seinem Behandlungsteam der besuchten Abteilung. Seit 2016 ist in IQM Peer Reviews der Einbezug von Pflegepeers berücksichtigt. Pflegepeers sind ebenfalls ausschließlich Pflegefachkräfte mit einer personellen und/oder fachlichen Leitungsverantwortung, die aktiv an der Patientenversorgung beteiligt sind.
Seit 2010 haben die IQM Peers 630 Peer Reviews in Krankenhäusern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt (2010: 21 Peer Reviews, 2011: 42 Peer Reviews, 2012: 69 Peer Reviews, 2013: 68 Peer Reviews, 2014: 94 Peer Review, 2015: 159 Peer Reviews, 2016: 173 Peer Reviews).

Ablauf

  1. Die Auswahl der Reviews bei IQM erfolgt zentral und stützt sich auf die Ergebnisse der verwendeten Qualitätsindikatoren. Ein IQM Peer Review Verfahren wird z.B. dann durchgeführt, wenn das gemessene Ergebnis deutlich über dem Zielwert liegt. Für das Review werden Behandlungsfälle ausgewählt, die zu dem auffälligen Qualitätsergebnis geführt haben.
  2. Zunächst erfolgt ein Selbstreview, das der vor Ort verantwortliche Chefarzt mit seinem Team anhand einer retrospektiven Behandlungsaktenanalyse durchführt.
    Anschließend untersuchen die Peers vor Ort die gleichen Behandlungsfälle konstruktiv-kritisch. Diese Aktenanalyse folgt einer klar festgelegten Vorgehensweise mit einheitlichen Analysekriterien.
  3. Die Aktenanalyse ist auf 20 Akten begrenzt und nimmt in der Regel vier Stunden in Anspruch.
  4. Die anschließende Falldiskussion zwischen den Peers und dem verantwortlichen Chefarzt und seiner Abteilung ist das Kernstück des Reviews. Hierfür sind noch einmal drei bis vier Stunden einzuplanen. Diese Diskussion auf Augenhöhe bringt den größten Nutzen für die besuchte Klinik. Ihr Verlauf entscheidet über die Akzeptanz und Wirksamkeit des Verfahrens. Ergebnisse des Reviews sind identifizierte Qualitätsprobleme sowie konkrete Lösungsvorschläge zu deren Vermeidung. Lösungsvorschläge beziehen sich in erster Linie auf interdisziplinäre Schnittstellen, Standards, Leitlinien, Dokumentation und Abläufe.
  5. Die Ergebnisse werden abschließend gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor und dem Geschäftsführer besprochen.
  6. Die Verantwortung für die Umsetzung der Lösungsvorschläge liegt beim Chefarzt vor Ort. Die Unterstützung und Kontrolle der Umsetzung obliegt dem Ärztlichen Direktor und der Geschäftsführung des jeweiligen Krankenhauses.

Kurzfilm IQM Peer Review Verfahren

Die Spitäler der Schweiz H+ stellen den Einsatz des IQM Peer Review Verfahrens in einem Kurzfilm vor: http://www.2015.hplus.ch/de/2015/qualitaet_im_fokus/iqm_peer_review/

 

Unterstützung durch die Bundesärztekammer

Die Bundesärztekammer hat die IQM Peer Review Verfahren von Anfang an mit eigenen Experten begleitet. Nach erfolgter Evaluation des Verfahrens hat die Bundesärztekammer 2011 das Fortbildungscurriculum "Ärztliches Peer Review" eingeführt. Jeder IQM Peer erhält für die Teilnahme an der Fortbildung 32 CME-Punkte. Zusätzliche CME-Punkte gibt es jeweils für die Teilnahme an einem Peer Review.

Downloads:

Handbuch IQM 2014, 1. Auflage: Das Peer Review Verfahren – Wie wir Qualität verbessern

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Jahrbuch Qualitätsmedizin 2010: Peer Review - wie wir Qualität verbessern lernen

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Jahrbuch Qualitätsmedizin 2011: Peer Review - eine Fallstudie und eigene Erfahrungen

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Jahrbuch Qualitätsmedizin 2012: Peer Review | Fallsammlung typischer Fehler und Probleme

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